Halbmarathon – nach 3 Wochen?
- Anna&Basti

- 16. Juni 2020
- 3 Min. Lesezeit
Ich bin schon immer gerne gelaufen. Immer unregelmäßig und ohne mich je großartig dabei gesteigert zu haben. Meistens waren es um die 8km. Für einen Halbmarathon habe ich mich bereits zweimal angemeldet. Beim ersten Mal hat mir mein rechtes Knie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Beim zweiten Mal hat mir scheinbar die richtige Vorbereitung gefehlt.

Ich wurde oft von Freunden und Arbeitskollegen gefragt, ob ich mal mit ihnen laufen würde. Immer habe ich verneint. Das Laufen schien immer etwas zu sein, was ich einfach nur für mich machen wollte. Musik auf die Ohren und Abschalten. Insgeheim hatte ich sicher auch ein wenig Sorge nicht mithalten zu können.
Da Basti ein sehr ambitionierter und leidenschaftlicher Läufer ist, hat auch er mich mehrere Male nach einem gemeinsamen Joggen gefragt. Nach einigen Absagen bin ich dann doch endlich über meinen Schatten gesprungen und bin mit ihm gekommen. Er versicherte mir, dass ich einen Halbmarathon mit einigen Probeläufen problemlos schaffen könnte. Diese Hürde schien für mich trotz seiner Zuversicht noch in weiter Ferne zu liegen. Ich rechnete zu diesem Zeitpunkt damit mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate darauf hin trainieren zu „müssen“. Da ich mich selbst aber als recht ehrgeizigen Menschen bezeichnen würde, sagte ich dem weiteren gemeinsamen Training zu und ließ mich auf diese Challenge ein.
Unser erster Probelauf für den Halbmarathon ging über eine Strecke von 14km. Um ganz ehrlich zu sein, ging es mir danach gar nicht besonders gut. Mich überkamen ziemlich starke Kälteschübe und Übelkeit. Umso besorgter war ich vor den weiteren Testläufen.
Der nächste Lauf war recht spontan und unerwartet lang. An diesem Morgen liefen wir 13km. Ich war selbst ziemlich überrascht darüber, dass ich diese Runde sehr gut wegsteckte. Umso motivierter und zuversichtlicher war ich beim dritten und finalen Testlauf. Für diesen planten wir eine Strecke von 16km ein. Auch diese Runde war leichter, als gedacht. Noch nie zuvor war ich im Freien eine so weite Distanz gelaufen. Das stimmte mich optimistisch.
Für einen recht späten Freitagabend planten Basti und ich den Halbmarathon ein. Da Sport bei mir immer extrem von meiner Tagesform abhängig ist, konnte ich überhaupt nicht einschätzen was da auf mich zukommen würde. Auch schien mir die Zeit der Vorbereitung viel zu kurz zu sein. Basti empfahl mir ein paar Tage vorher schon sehr viele Kohlenhydrate zu essen. Dementsprechend standen für mich die zwei Abende vor dem Halbmarathon viele Nudeln auf dem Speiseplan, was ich recht dankbar so hinnahm. Nun war es aber soweit. Da ich nahe am Kemnader See in Bochum wohne und dieser auf der langen Strecke eine Distanz von etwas mehr als 10km misst, waren zwei Runden um den See plus ein paar Extrameter also das Ziel.

Um eine Zeit habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich wollte diese Distanz einfach nur schaffen. Am besten ohne Pause. Nur ein kleiner Stopp am Auto zum Cola und Wasser trinken nach der ersten Runde war eingeplant. Gedanklich würde es nach diesem Halt, wenn es in die zweite Runde ging, einfacher werden. Wenn erst einmal die Hälfte geschafft wäre...
Gegen 19:00 liefen wir los. Genauso langsam, wie wir es auch bei den Testläufen getan hatten. Die ersten Kilometer zogen sich extrem und ich zweifelte leicht daran die 21.1km wirklich stemmen zu können. Als wir dann aber das erste Mal am Auto ankamen und zum Trinken einige Sekunden stehen blieben, überkam mich der Optimismus. Nun musste „nur“ noch die zweite Runde geschafft werden. Körperlich hatte ich bis dato keinerlei Probleme. Nur der Kopf musste weiterhin mitspielen.
Ich merkte es kaum, dass ich in der zweiten Runde viel schneller gelaufen bin, als in der ersten. Das erzählte mir Basti erst, als wir wieder zuhause waren. Auf diesen „tranceartigen“ Zustand hatte ich gehofft. Irgendwann schaltet das Denken aus und man läuft einfach. Bis ins Ziel. Und das kam schneller, als erwartet. Zwar war die Zeit im Nachhinein nicht besonders gut, aber da ich den Halbmarathon einfach nur schaffen wollte, konnte ich diesen Plan nun endlich mehr oder weniger zufrieden „abhaken“.

Ich hatte mir bis zu diesem Freitagabend nicht vorstellen können nach einer so kurzen Trainingsphase den Halbmarathon anzupacken. Ohne Basti hätte ich das sicher nicht „geschafft“- und dieses Schaffen bezieht sich lediglich auf die persönliche Einstellung. Der Kopf steht einem viel öfter im Weg, als der Körper. Das ist auf jeden Fall die größte Lehre, die ich aus dieser Challenge ziehen konnte.



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